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Schierling, 17. Juli 2002. Die Stärkung der Ortskerne und
Stadtzentren ist auch bei kleinen und mittleren Kommunen für ihre
zukünftige Entwicklung von großer Bedeutung. Als wichtiges
Instrument dient dazu die Planungshoheit der Gemeinde. Und für die
Zukunft wird es verstärkt auf die interkommunale Solidarität
ankommen, wenn nicht die Handelsketten bestimmend bleiben sollen.
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Bürgermeister Otto Gascher,
Schierling |
Klare Vorstellungen der Politik
Den Weg vom klaren Konzept einer Gemeinde über den Projektentwickler,
der ihre Vorstellungen möglichst detailgenau umsetzen soll, und dessen
Probleme bei der Suche nach ansiedlungswilligen Betrieben und Geschäften
zeigte den rund fünfzig Bürgermeistern und Kommunalpolitikern
aus ganz Bayern der erste Schierlinger "Kommunal-Kongress" auf.
Auch die entstehenden Konflikte wurden nicht ausgespart. Es zeigte sich,
dass klare und konkrete Vorstellungen der Kommune die wichtigste Voraussetzung
für die Ortskernbelebung sind. Und der Rückhalt bei der Bevölkerung.
Der richtige Branchenmix, angefangen vom Vollsortimenter, so die hochkarätige
Expertenrunde, garantiert erst den Erfolg. Dazu gehört auf keinen
Fall nur die Umverteilung der vorhandenen Kaufkraft, sondern unbedingt
auch das Bestreben, aus dem Umland Kaufkraft hinzu zu gewinnen. Eines
der wichtigsten Elemente ist in diesem gesamten Prozess zur Stärkung
der Ortszentrum eine gut funktionierende Bürgerbeteiligung.
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| Fritz Wallner, Schierling |
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Weniger Läden der Grundversorgung
Als Gastgeber lieferte Bürgermeister Otto Gascher den statistischen
Beweis für den Rückgang der geschäftlichen Aktivitäten
im Ortskern. Hatte Schierling im Jahre 1953 noch 25 der Grundversorgung
dienende Läden, so ist heute in der Ortsmitte noch ein einziger.
Der oberpfälzer Regierungsvizepräsident Johann Peißl nannte
die Stärkung der Zentren ebenfalls als ein wichtiges Ziel der Bayerischen
Staatsregierung. Er sagte dazu auch die finanzielle Unterstützung
im Rahmen der Städtebauförderung zu. Allerdings seien zum Erfolg
auch die Initiativen privater Investoren erforderlich.
Geschäftsleiter Fritz Wallner beschrieb den Weg, den der Markt Schierling
zur Stärkung des alten und vor allem zur Schaffung eines neuen Ortskerns
mit seinem Stadtmarketingprozess bisher beschritten hat. Und er zeigte
auf, dass zusammen mit den Bürgern in einem dualen Prozess ein ganzheitliches
Gemeindekonzept erarbeitet werden soll (siehe dazu nachstehenden Bericht).
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Rudolf Fröschl |
Trend der Entmischung stoppen
Baudirektor Rudolf Fröschl von der Regierung der Oberpfalz beschrieb
den Ist-Zustand: "Siedlungsgebiete dienen allein dem Wohnen, Gewerbegebiete
den Betrieben und/oder als Arbeitsstelle, das Freizeitzentrum dem Sport
und der Erholung und dann gibt es noch den Bereich Kirche, Schule, Kindergarten".
Dieser heute selbstverständlichen Monostruktur erteilte Fröschl
eine klare Absage und forderte einen "demokratischen" Ort, der
sich den Bedürfnissen der Bürger anpasst. Als Vorbild dienten
ihm dabei die historisch gewachsenen Ortskerne, in denen funktionales
Zusammenleben bis heute möglich ist. Nachhaltiger Städtebau
bedeute nach Fröschl eine lebendige Ortsmitte, einen vitalen Ortskern
mit einer hohen Nutzugsvielfalt von Wohnen, Handel und Gewerbe. Die Voraussetzungen
dazu müssten die Kommunen selbst im Rahmen ihrer Planungshoheit schaffen.
Neben der Nutzungsvielfalt bezeichnete Rudolf Fröschl die Schaffung
großer öffentlicher Flächen als besonders wichtig. Die
Demokratie brauche solche Flächen, wo sich die Menschen "ungeordnet"
treffen können. Mit einer Diskussionskultur, einen aktiven Bürgerbeteiligung
habe auch der ländliche Raum eine gute Chance, den Strukturwandel
zu bestehen. Er wandte sich zusammenfassenden gegen den "verheerenden
Trend der Entmischung".
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| Ekkehard Tamm |
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Das Umfeld muss stimmen!
Interessante Hintergrundinformationen aus der Sicht der zukünftigen
Pächter von Handel und Gewerbe lieferte Ekkehard Tamm, Architekt
und Strategieberater von Handlungsunternehmen. Ein vielfältiges Erlebnis-
und Unterhaltungsangebot sei der Garant, dass sich auch Betriebe und Geschäfte
in einem Zentrum ansiedeln, dass es sich für sie rechne. Dazu gehören
moderate Mietpreise und ausreichend Parkflächen, möglichst ein
Parkplatz je 15 Quadratmeter Verkaufsfläche. Den Interessenten riet
Tamm, die Chance zu erkennen und wahrzunehmen. Als Grundlage für
die Wirtschaftlichkeit gebe es Fachgutachten und Analysen. Im anderen
Fall gelte sonst der alte Grundsatz: Wer nicht mit der Zeit geht, der
geht mit der Zeit. Voraussetzung für eine Gelingen sei auch das Zusammenwirken
"Rathaus mit Kaufhaus". Das "Dreigestirn" Kommune
- Projektentwickler - Handel/Gewerbe müsse seine klaren Vorstellungen
aufeinander abstimmen, so Ekkehard Tamm. Auch wenn dabei manchmal "knallhart"
verhandelt werde, gebe es trotzdem auch Kompromisse.
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Dr. Herbert Küblböck |
Mischnutzungen mit weniger Rendite
Als Problem bezeichnete der Burglengenfelder Projektentwickler Dr. Herbert
Küblbeck die - auch in Schierling geplante und gewünschte -
Mischnutzung der Gebäude mit Handel im Erdgeschoss, Dienstleistung
im ersten Obergeschoss und Wohnen im dritten Geschoss. Die Immoblienanforderungen
von Handels- und Dienstleistungsimmobilien sowie Wohnungen seien einfach
zu unterschiedlich und Dr. Küblböck nannte als Beispiel die
Immissionen, den Schallschutz, die Abluft und die Sicherheit. Die Parkflächen
würden meistens von den Geschäftskunden, den Freischaffenden
und den Bewohnern gleichermaßen genutzt werden, auch wenn eigene
Parkflächen für die Bewohner des Hauses geschaffen werden. Selbst
die beste Parkregelung funktioniere meist nicht, weil der Mieter die Parkflächen
vor den Geschäften belege. Auch bei den Nebenkosten könne man
dem Mieter im Gegensatz zu den Geschäften nicht alles anrechnen.
Der Mietpreis bei Wohnungen sei geringer als bei Gewerbeflächen und
damit sinke die Rentabilität.
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| Dr. Manfred Miogosa |
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Offener Planungsprozess
Der Geograph Dr. Manfred Miosga, der auch wissenschaftlich an der TU München
tätig ist, stellte einen "offenen Planungsprozess" mit
den Bürgern am Beispiel von Friedberg vor. Unter qualifizierten Anleitung
von Architekten würden Bürger unmittelbar ihre konkreten Vorschläge
für die Gestaltung der Stadt oder Gemeinde mit übernehmen. Diese
Methode wurde von den Kongress-Teilnehmern zwar als wirkungsvolle Bürgerbeteiligung
aber keinesfalls als Ersatz für eine qualifizierte Architektenplanung
oder einen Architektenwettbewerb angewehen.
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Wolfgang Grubwinkler |
Potenzial der Bürger nutzen
Wolfgang Grubwinkler, dessen Eggenfeldener Büro den Markt beim Stadtmarketingprozess
begleitete, schilderte die Gestaltungschancen für die Politik. Im
laufenden Strukturwandel führe der Weg von der obrigkeitlichen Kommune
weg zur Dienstleistungskommune (Servicestation Rathaus) -hin zur Bürgerkommune.
Es gelte, das vorhandene Potential an Wissen der Bürger zu nutzen.
Die Politiker müssen dafür allerdings die Plattform schaffen,
um es abzurufen. Dazu gebe es die Agenda 21 und den Stadtmarketingprozess,
die Wolfgang Grubwinkler zur nachhaltigen Stadtkonzeption als den Idealfall
zusammenfasste. Ihm war klar, dass es damit für beide Seiten, Politiker
und Bürger, ein neues Rollenverständnis geben werde. Der Unternehmensberater
sah in der Bürgerkommune ein Mittel zur Re-Politisierung, die Chance,
dass sich in Zukunft auch wieder mehr junge Menschen an der Politik beteiligen.
So entscheide heute mehr die Kreativität als bisher gültige,
feste Strukturen.
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