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Kommunal-Kongress 2002:

Der Schierlinger Weg zur Um- und Neugestaltung des Ortskerns

Schierling, 17. Juli 2002. Der Strukturwandel insgesamt, die immer mehr ausblutenden Ortskerne aufgrund von Geschäftszentren am Rande des Ortes, waren eine der Grundlagen für den Stadtmarketingprozess. Für die Bewältigung des Ziels "Stärkung und Verschönerung des Ortskerns" taten sich als "Glücksfälle" die Kaufmöglichkeiten des ehemaligen Sägewerks Nock und des größten Teils der Gärtnerei Dantscher auf. Ein noch vor wenigen Jahren nie geahnter Umbruch wurde durch den großflächigen Ankauf dieser Flächen direkt am Rande des Rathausplatzes durch den Markt Schierling erst möglich. Begleitet wurde dieser Umbruch in den letzten drei Jahren durch ein großes Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Den "Schierlinger Weg" zur Planung einer behutsamen Sanierung des alten und zur Schaffung eines neuen Ortskern auf dem Nock-Grundstück beschrieb Rathaus-Geschäftleiter Fritz Wallner beim Kommunal-Kongress vor Bürgermeistern und Kommunalpolitikern im Restaurant "Top Four".

Die Gruppe bei der Diskussion
Fritz Wallner, Fritz Winter, Ekkehard Tamm, Dr. Heribert Küblböck und
Rudolf Fröschl bei der Diskussion
 

"Was war eigentlich der Auslöser für diesen Stadtmarketingprozess in Schierling?", wollte Bürgermeister Werner Mayer aus Rotthalmünster wissen. "Es war einfach das Bewusstsein, wir wollen etwas Neues schaffen"!, so Fritz Wallner. Bürgermeister Otto Gascher erläuterte es an einem praktischen Beispiel. "Früher haben wir die Zettel im Wahlkampf im Zentrum rund um das Rathaus verteilt, weil da die meisten Leute kamen. Heute gehen wir hinaus an den Ortsrand, weil dort die Geschäfte und damit auch die Menschen anzutreffen sind". Aber der Architektenwettbewerb zur Um- und Neugestaltung des Ortskerns und der gesamte Stadtmarketingprozess haben viele neue Ideen gebracht, die es nun Zug um Zug umzusetzen gelte, so Bürgermeister Gascher zuversichtlich.

Einstieg in Stadtmarketing
"Überzeugungstaktik war als erstes gefragt", so Fritz Wallner . Nach einem Vortrag beim Christlichen Bildungswerk galt es den Marktrat von der Notwendigkeit für diesen Prozess zu überzeugen, der mehr als 100.000 Mark gekostet hat. Der Staat und Gewerbeverein Schierling haben bei der Finanzierung mitgeholfen. Wichtig sei gewesen, schon im Vorfeld Vorurteile auszuräumen und mit Skeptikern zurecht zu kommen. Klar war, dass die Bürgerinnen und Bürger stark eingebunden werden sollten, so Wallner. Eine 25köpfige Lenkungsgruppe mit vielen möglichst hochmotivierten Bürgern aus allen Schichten der Bevölkerung wurde gebildet, teils freiwillig, zum Teil aber auch zum Mitmachen eingeladen. Es galt, auf einer möglichst breiten Basis der Bevölkerung das Interesse zu wecken. Klar war auch, dass zum Gelingen der externe Moderator gehört, gestellt vom Eggenfeldener Büro Identität & Image Coaching AG.

Zuhörer auf dem Kommunlakongress

Sehnsüchte wurden deutlich
Schon die ersten Erhebungen brachten nach Wallner die unterschiedlichen "Sehnsüchte" der Menschen in Schierling hervor: Bessere Verkehrsbedingungen an das überregionale Straßennetz, weniger Durchgangsverkehr durch den Ort, bessere Einkaufsmöglichkeiten und insgesamt einen schöneren Ort. Die günstige Lage im Städteviereck Regensburg - Landshut - Straubing - Kelheim sollte genutzt werden. Doch schon nach den ersten Veröffentlichungen der Ergebnisse der zweitätigen Klausurtagung der Lenkungsgruppe kamen Ängste auf, bei Einzelhändlern, die um ihre Existenz bangten. "Es traten die Bremser und Polemisierer in die Arena", so Fritz Wallner. Von allen Beteiligten sei Durchstehvermögen und Argumentationskraft gefragt gewesen. Durch die Bürgerbeteiligung galt es, das Fundament auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Was ist wichtig und realisierbar und was nicht? Dazu erläuterte Fritz Wallner noch einmal die einzelnen Schritte: "Experten" wurden über die Vor- und Nachteile von Schierling befragt, für die Bürger gab es in der Schule eine Ideenwerkstatt, Expertengruppen mit Bürgern und Fachleuten prüften die Vorschläge auf Machbarkeit und Durchsetzbarkeit, die Lenkungsgruppe nahm zum Ergebnis des gerade abgeschlossenen Architektenwettbewerbs Stellung, es gab ein Bürgergespräch zum Umbau des Ortskerns, über die Planung des neuen "Piendl-Platzes" und die Straße Am Anger. Alle diese Ergebnisse flossen in der Konzeptphase in das Leitbild ein mit dem wichtigen Ergebnis: Stärkung des Ortskerns.

Zuhörer auf dem Kommunlakongress

Straffer Prozess führt zum Erfolg
Wallner betonte auch wie wichtig es war, nicht nur lange Diskussionsrunden zu führen, sondern auch erste Erfolge zu erzielen. Aus dem Marktboten des Gewerbevereins mit einer Auflage von 10.000 Stück wurde der "Schierling-Express", ein "Magazin zur Präsentation der Stärken Schierlings" mit einer Auflage von 75.000 Stück. Der Jahrmarkt-Besuch stieg von 100 auf 5.000 Besucher innerhalb von zwei Jahren und auch das Rathaus ist am Marktsonntag geöffnet und präsentiert sich an diesem Tag. "Aufgabe und Motivation zugleich soll unsere Leitidee sein", so Fritz Wallner rückblickend. Sieben Stunden wurde darüber nachgedacht bis aus 90 Vorschlägen die Leitidee hervorwuchs: "Schierling - Vorsprung zieht an!". Sie solle auch provozierend sein, aber auch Identität schaffen, definierte Fritz Wallner die Leitidee. Zusammen mit Einzelhändlern und Unternehmern wurde sie zudem grafisch umgesetzt. Wallner: "Das zum Rufezeichen umgedrehte "i" zeigt unsere neues Selbstbewusstsein, es macht uns unverwechselbar, ist leicht erkennbar und ermöglicht Identifikation".

Bürger haben schon umgesetzt
Wie geht es jetzt kurz- und mittelfristig weiter? An vielen Häuserfassaden ist der Prozess durch die Neugestaltung und durch einen farbenfrohen Anstrich bereits optisch erkennbar. Beim neuen Ortskern auf dem Nock- und Dantscher-Grundstück werde man jetzt zusammen mit einem Projektentwickler die Vermarktung versuchen, so Geschäftsleiter Fritz Wallner. Schon in den letzten Monaten seien viele Gespräch geführt worden, die jetzt fortgesetzt und zum Ziel gebracht werden sollen mit Einzelhändlern und mit potenziellen Mietern. Die Gestaltung und der Bau der Erschließungsanlagen wird diskutiert werden und gelte, dafür vor allem um die Zuschüsse im Rahmen der Städtebauförderung zu bekommen.

Zuhörer auf dem Kommunlakongress

"Schierling-City-AG"?
Vielleicht, so Wallner, könne es gelingen eine "Schierling-City-AG" zu gründen, über die sich Schierlinger Bürger an der Finanzierung und am späteren Eigentum beteiligen sowie am Gewinn durch garantierte Zinsen partizipieren können. Nach seiner Erfahrung habe die Geschäftswelt akzeptiert, dass neue Läden mehr Kunden nach Schierling locken können und so nicht Konkurrenz erwächst, sondern gegenseitiges Befruchten. "Das Ziel aller Beteiligen und aller Bemühungen muß sein, neue Kaufkraft nach Schierling zu holen. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse in diesem gesamten Prozess!", so Wallner.

"Der Schierlinger Weg ist keine Revolution, er bedeutet aber Veränderung und Umbruch", fasste Fritz Wallner zusammen. Gefordert seien dabei die Bereitschaft zu vermitteln und mit zunehmen sowie Mut und Einsatzwille. Man könne sich nicht am Schwächsten und Langsamsten orientieren, stellte er unmissverständlich klar und deutlich heraus. Darüber werde man auch in Zukunft ehrlich und zuverlässig informieren. Den interessierten Bürgermeistern und Kommunalpolitikern sagte der Geschäftsleiter, dass dieser Schierlinger Weg wohl kaum ein Ende finden werde sondern immer weiter gegangen werden müsse, so lange es diese Gemeinde gebe.
 
Max Berger

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