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"Gennßhenkher-Fest" zog Massen an

Gut 6000 Besucher und 500 Mitwirkende bei historischem Treiben

Begrüßung der Ehregäste
Begrüßung der Ehrengäste
 
Schierling, 5. August 2002. Die "Gennßhenkher-Zeit" im Dreißigjährigen Krieg war alles andere als die "gute alte Zeit"! Die Leute waren arm, ernährten sich von dem was sie selbst anbauten, mussten der Obrigkeit abgeben und waren zudem bedroht durch die angriffslustigen Schweden. Was wunder, dass die Schierlinger ihre letzten Gänse - die letzte Überlebensration - aufhängten, versteckten und so zu ihrem Spitz-, Kose- und Schimpfnamen kamen.
Igel
Landser führen den sog. "Igel" vor
 

Verteidigungsbereit sein
Beim "Gennßhenkherfest" am Wochenende am Fluss Große Laber mitten im Ort gab es für die weit über 6000 Besucher vor allem einen Einblick in die Anstrengungen, Frauen und Kinder sowie Haus und Hof einigermaßen verteidigen zu können. Die Schierlinger Schützen gehörten zum "Kelheimer Landfähnlein" und wurden von dort auch kontrolliert. Vor 370 Jahren sicher eine ernste Sache. Beim Nachspielen jetzt achtete Ortsheimatpfleger Schorsch Schindlbeck, der "Corporal" der Schierlinger Schützen, peinlichst auf Originalität der Kostüme und Abläufe und aller Utensilien. Den "Herren Sexern" wurde eine Tafel angeboten, damit sie den Hauptmann gebührend empfangen konnten. Das Fußvolk dagegen aß an Tischen, in welche die Teller als Vertiefungen praktischerweise eingefräst waren.

  Tanz im Lager
   Tanz im Lager
 

Mitwirkende bis aus England
Die Organisatoren um Hans-Peter Stöckl hatten viele Gäste eingeladen, die aus Memmingen, Weiden, Landshut, Neufahrn und sogar aus Bristol im südlichen England sowie aus Polen angereist kamen. Insgesamt waren es gut 500 Mitwirkende, darunter schon aus Schierling annähernd 300. Die Kostüme waren in wochenlanger Vorarbeit meistens von oder unter Anleitung von Elisabeth und Schorsch Schindlbeck genäht worden. Auch die Besucher waren international. Eine Schottin wollte partout mit Schindlbeck in voller Montur abgelichtet werden.

Kinder und Gänse  
Auch (noch?) lebende Ganserl
waren zu bewundern 
   
 

Das Lagerleben
Das Lagerleben wurde bunt gestaltet. Kinder tummelten sich am Samstag bei großer Hitze in der Laber und in dem erst vor wenigen Monaten geschaffenen Altwasser. Die "Landshuter Turmpfeifer" unterhielten das Volk. Es wurde in großen Waschkesseln Fleisch gekocht, Korbmacher waren unterwegs und eine Familie hatte sogar eine kleine Schar Ganserl dabei - gehegt und gepflegt - zum späteren Hängen? Immer wieder durften auch die Besucher in das Lager kommen und über einen der schwankenden Stege die Laber überqueren. Ansonsten aber galt: "Zivilist im Lager = Zivilist in der Laber!". Dass es bei dieser Warnung nicht blieb, mussten einige leidvoll erfahren.

Zauberer, Gaukler, Gennßhenkher-Würscht
Draußen faszinierte der Zauberer "Marrax" nicht nur immer wieder Hunderte Kinder, sondern auch die Erwachsenen staunten über die Fertigkeiten der Truppe. Die Gaukler zeigten Pyramiden und Feuerspucker brachten Licht in das Dunkel der drei Nächte. Die Schützengesellschaft "Wasservögel" lud zum Üben mit der Armbrust ein. Das Schützenmeisteramt hatte als Preise rund 70 Holzgänse selbst gebastelt. Es gab "Gennßhenkher-Würscht", von Metzgermeister Gallmeier nach einem alten Rezept gemacht und dazu besondere Weckerl vom Huawa-Bäck. Der Liederkranz bot Wein an und der Verein der Freunde Schierling/Eggmühl-Penmarc'h wartete mit französischen Spezialitäten auf. Es wurde vorzugsweise dunkles Bier vom Kuchlbauer ausgeschenkt.

Pikeniere beim Exerzieren
Pikeniere beim "Angriff"
 

Pikeniere exerzieren
Wenn die Memminger Gruppe einzog und ihren Wallenstein-Schlachtruf "Jessas-Maria: Es lebe der Herzog und seine H..." losließ standen die Besucher dichtgedrängt auch an der Abgrenzung aus "Spanischen Reitern". Sie zeigten den "Igel", eine Formation zum Schutz der Frauen und Kinder sowie der Spielleite. Mit Gewehren und den Spießen wurde alles verteidigt. Aber auch den Angriff konnten die Besucher erleben. Manchem wurde es ganz schön mulmig, als die Spieße auf die Gäste in den kleinen Zelten losgingen.

  Bürgermeister Gascher auf der Büßerbank
   Wer nicht traf musste auf
die "Büßerbank"...
  

Prominente trafen nicht
Beim Schießen der Schierlinger auf die "Gennßhenkher-Scheibe 2002" traf keiner aus der Prominenz ins Schwarze und deshalb bekamen alle an der Büßerbank drei Klopfer auf den Hintern. Nicht einmal der Corporal hatte es geschafft. Auch er kam auf die Bank - ebenso wie der Bürgermeister, der Pfarrer und die Sexer. Kaum einem der Besucher war aufgefallen, dass die Büchsen allerdings nicht geladen waren und so keiner treffen konnte. Die Schützen vom Schierlinger Landfähnlich trafen plötzlich und erhielten sogar Pokale.

Dank sei Gott!
Beim Kirchenzug säumten Hunderte Interessenten die Straßen. Mit Trommel und Pfeifen zog das bunte Volk den Kirchberg hinan. Pfarrer und Dekan Hans Bock hatte ein uraltes Meßg'wand reaktiviert und - erstmals - auch nach dem Gottesdienst das rote Dekane-Bäffchen umgelegt. Den Gottesdienst gestaltete der A-Capella-Chor unter Leitung von Annemarie Schindlbeck mit, der auch während der Festtage stilecht die Besucher unterhielt. Pfarrer Bock sagte in der Predigt, beim Fest gehe es nicht darum, den Krieg zu verherrlichen, sondern um das Gedenken an die damalige Zeit, um auch mit der heutigen Situation zufriedener und dafür dankbarer zu sein.

Feuerwerk  
Ein Traumfeuerwerk krönte
den Samstag
 
   
 

Traum-Feuerwerk
Ins Schwärmen kamen die Gäste am Samstagabend beim Feuerwerk. "So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen!", war eine immer wieder zu hörende Äußeruing. Auch zur "flammenden Laber" am Sonntagabend waren noch einmal über zweitausend Menschen gekommen, die aber kräftig nass geworden sind. Doch die Organisatoren waren sehr dankbar, dass es vorher nicht oder nur kaum geregnet hatte. Viel Lob gab es für Schindlbeck und seine Mannschaft von den Schierlingern, den Festbesuchern und auch von den auswärtigen Gruppen. Als äußeres Zeichen bekam er vom Memminger Hauptmann eine aufgehängte Gans geschenkt, die Schindlbeck sofort als die "Gans mit dem kurzen Hals" erkannte. Und er erzählte vom Probe-Aufstellen des Gänshänger-Brunnesn im Jahre 1979, als wegen des Fehlens einer Gans einfach auf eine Ente zurückgegriffen worden war.

Fazit
"Des war so sche und des i a unwahrscheinlicher Image-Gewinn für Schierlinger!", jubelte am Montagfrüh ein Schierlinger Geschäftsmann. Höchstes Lob gibt es aus der ganzen Bevölkerung für das hohe ehrenamtliche Engagement vieler freiwilliger Helfer. Der Ursprung der Idee geht auf den Arbeitskreis "Gastronomie und Tourismus" im Rahmen der Dorferneuerung zurück.
Die Neugestaltung der Laberaue im Bereich der Dorfmühlstraße wurde ebenfalls durchwegs als sehr gut gelungen gerühmt. Die Planung dafür war mit der Dorferneuerung unter Josef Wunderer begonnen worden und der planende Architekt Manfred Machalitzky konnte am Samstagabend beim Besuch des Festes mit ein wenig Stolz auf sein gelungenes Werk blicken.

In vier Jahren gibt es das nächste, dann "4. Schierlinger Gennhenkher-Fest"!

Besucher
Die zahlreichen Besucher genossen den lauen Sommerabend
 
 
Text und Fotos: Fritz Wallner

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