Nachgefragt
„Bayern ist Vorreiter“
SCHIERLING, 29.07.2007. Prof. Dr.-Ing. Kurt Ingerle aus Innsbruck ist der Erfinder des BIOCOS-Verfahrens für die Reinigung von Abwässern. Er hat damit die Verfahrenstechnik einen entscheidenden Schritt vorwärts gebracht. Wir sprachen am Rande der Einweihung der neuen Kläranlage Schierling mit Prof. Dr. Ingerle.
![]() |
| Prof. Dr.-Ing. Kurt Ingerle aus Innsbruck |
Herr Professor Ingerle, worin liegt der entscheidende Unterschied ihres BIOCOS-Verfahrens zum herkömmlichen Belebtschlammverfahren?
Prof. Ingerle: Anstatt der nur physikalisch wirkenden Nachklärung des Belebungsverfahrens werden zwei „SU-Becken“ vorgesehen, in denen die Phasen Schlammrückführung, Umwälzen, Absetzen und Klärwasserabzug ablaufen. Man erreicht dadurch neben der Nachklärung auch ständige biochemische Prozesse mit einer sehr guten Qualität des gereinigten Abwassers.
Auf der Schierlinger Anlage ist erstmals ihr Vierphasen-System in größerem Stil eingebaut worden. Was ist das Wesentliche dieser Weiterentwicklung?
Prof. Ingerle: Die Schlammrückführphase und die Umwälzphase laufen hintereinander ab und werden mit Druckluft betrieben. Weil wir dafür die gleichen Kompressoren und Druckluftleitungen wie für den Eintrag des Sauerstoffes in das Belebungsbecken verwenden, erreichen wir geringere Investitionskosten, einen geringeren Stromanschluss und einen niedrigeren Schlammindex. Wegen der vergleichsweise hohen Trockensubstanz können wir auch mit kleineren Becken auskommen.
Sie haben bei ihrer Ansprache die bayerischen Behörden und Gemeinden hoch gelobt. Was ist der Auslöser?
Prof. Ingerle: Mit Unterstützung des Wasserwirtschaftsamtes Regensburg konnten wir vor etwa zehn Jahren in Pielenhofen deutschlandweit die erste BIOCOS-Anlage bauen und in Betrieb nehmen. Und jetzt ist der Raum Regensburg mit Schierling in Deutschland wieder Vorreiter für das neue Vierphasen-System. Bayern nimmt auf diesem Gebiet ganz klar eine Vorreiterstelle ein, weil Behörden und Gemeinden mutig sind.
Und wie sieht es außerhalb Bayerns aus?
Prof. Ingerle: Der Erfolg dieses Verfahrens hat sich herumgesprochen. Derzeit bauen wir in Spanien eine Anlage für ca. 100000 Einwohnerwerte und wir planen eine weitere für 225000 Einwohnerwerte. Jüngst wurde für Istanbul eine ca. zwei Millionen Einwohnerwerte große Anlage vorgestellt.
Was schätzen sie an der Schierling Anlage besonders?
Prof. Ingerle: In allen Schritten der Planung und des Baus gab es eine sehr gute Kooperation mit den Planern und mit dem Kläranlagenpersonal. Die exzellenten Ablaufwerte der Biocos-Anlage haben große Bedeutung für das sehr sensible biologische Umfeldes der Großen Laber. Ich möchte ihnen als Beispiel den BSB5-Wert angeben. Auf der Schierlinger Anlage haben wir im Auslauf 1,6 Milligramm je Liter. 15 Milligramm je Liter wären zulässig. Das ist ein Superergebnis.
ielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei ihren weiteren Forschungen zugunsten der Natur und Umwelt!
Text und Foto: Fritz Wallner
