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Ansprache des Ersten Bürgermeisters Otto Gascher

Einweihung der Kläranlage Schierling am 27. Juli 2007

Sehr geehrter Herr Pfarrer Helm und Pfarrer Klenner,

sehr geehrte Frau Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrte Damen und Herren der Ämter und der Baufirmen,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Marktgemeinderat,
sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst danke ich den beiden Pfarrern sehr herzlich für die Segnung unserer neuen Anlage. An Gottes Segen ist alles gelegen, haben wir gelernt – und dieses Vertrauen möchten wir gerne auch durch diese Segnung zum Ausdruck bringen.

Schierling hatte vor rund 250 – 300 Jahren einen ausgezeichneten Ruf. Die Jesuiten hatten die wichtigsten Plätze übernommen.

Sie bauten das Gasthaus zum grünen Kranz, Teile des Schlosses, die Dorfmühle und die Brauerei ganz neu. In dieser Epoche wurde auch die Pfarrkirche neu erbaut.

Professoren der Jesuiten hielten sich in Schierling auf und sorgten dafür, dass der Blick der Bevölkerung geweitet wurde für die Notwendigkeit der Bildung und dass Ästhetik eine wichtige Rolle spielte.

Unser Schierling muss damals traumhaft ausgesehen haben und die Menschen ließen sich mitnehmen auf die Zukunfts-Reise, die ein besseres und erfüllteres Leben ermöglichen sollte. Schierling war fortschrittlich und zukunftsweisend!

Dann wurden die Jesuiten 1773 von Papst Clemens XIV. verboten und in Schierling, dem ehemals größten Dorf Niederbayerns, kehrte wieder Normalität ein.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben wir uns aufgemacht, der Tradition der Schierlinger Jesuiten-Zeit zu folgen und Schierling schöner und attraktiver zu machen.

Dazu gehört zweifellos die Gestaltung des Ortsbildes. Dazu gehört aber – nach mittlerweile übereinstimmender Ansicht – auch der Umweltschutz. Diesem sind wir in besonderer Weise verpflichtet, weil durch unsere Gemeinde die Große Laber fließt, die in südlicher Richtung nach der Donau die größte Flussaue ausbildet.

Außerdem durchziehen den Markt Schierling der Allersdorfer Bach, der Deggenbach, der Hochwiesenbach und der Erlenbach. Dann gibt es auch noch den Starzengraben, den Schererbach und den Paringer Graben - den wir ökologisch ausbauen, und auch für den Hochwasserabfluss verbessern bzw. rückhalten.

Sie alle möglichst rein und natürlich zu halten, das ist für uns ein wichtiges Ziel des Umweltschutzes.

 
Liebe Gäste!

Saubere Gewässer sind Lebensadern und sauberes Wasser ist eine Überlebensfrage!

Das sind für mich und für uns die wichtigsten Erkenntnisse und der Ausgangspunkt aller Überlegungen, wie wir mit Abwasser umgehen. Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes nur das Beste gut genug. (Wobei das Beste nicht notwendigerweise gleich gesetzt werden muss mit das Teuerste!).

Schon sehr früh haben wir uns im Marktgemeinderat mit der Frage beschäftigt, ob alle Gemeindeteile an die eine große Kläranlage angeschlossen werden soll, oder ob es mehrere dezentrale Lösungen geben soll. Die Entscheidung fiel trotz mancher Bedenken und trotz einer kurzen Phase, in welcher die kleinen Kläranlagen eine Renaissance erlebten, für die eine große Anlage. Uns war sehr früh klar, dass wir damit zu jeder Zeit schnell und effektiv auf neue gesetzliche Anforderungen und auf neue technische Herausforderungen reagieren konnten. Wir sind mit dieser Anlage ganz einfach flexibler. Und wir minimieren den Bewirtschaftungs- und Erhaltungsaufwand.

Unsere alte Kläranlage aus dem Jahre 1978 war kaputt. Der Beton zerfressen und die Technik nicht mehr zeitgemäß. Nur dem engagierten Einsatz unseres Personals war es zu verdanken, dass wir trotzdem gute Ablaufergebnisse und einen relativ geringen Energieeinsatz hatten.

 
Verehrte Gäste,

wir müssen neu bauen, das war klar. Doch wo und wie, das war die Frage. Deshalb haben wir schon in den neunziger Jahren eine Standortanalyse machen lassen. Diese ergab, dass der alte Standort auch der neue ist. Denn die Zufahrt, das Schneckenhebewerk, der Feinrechen, das Betriebsgebäude und weitere Infrastruktur waren bereits da und mussten nicht neu gebaut werden.

Weiter stellte sich die Frage nach der Ausbaugröße. Die Einwohnerzahl lag vor, aber wie verhält es sich mit den Gewerbebetrieben?, war die Frage.

Wir haben über Monate hinweg Messungen vorgenommen, um zu den entscheidenden Erkenntnissen zu kommen. Schließlich wollten wir uns den Anzug nicht zu eng schneidern. Denn wir müssen auch für die Zukunft und da besonders für die Erweiterung der Gewerbebetriebe vorsorgen.

Dann ging es auch noch um das System. Wir wollten und mussten eine konventionelle Anlage planen, weil wir dafür auch eine staatliche Förderung haben wollten. Dass wir diese bekommen, das hat auch etwas mit Glück – und vielleicht mit Weitblick – zu tun.

Uns ist es gelungen, so rechtzeitig den Zuschussantrag zu stellen, dass die Förderung noch möglich war. Später ist das taatliche Geld weniger geworden und für solche Maßnahmen wurden keine Zuschüsse mehr genehmigt.

Unser Klärmeister Josef Lockermeier hat uns mit dem BIOCOS-System konfrontiert. Im Juli 2002 konnten wir uns in Petershausen davon überzeugen. Wir waren davon angetan.

Allerdings war deutlich geworden, dass es eine BIOCOS-Anlage in unserer Größenordnung noch nicht gegeben hat.

Würde das System auch bei uns klappen? Prof. Ingerle hat uns die Zuversicht gegeben, dass es klappt.

Nach der ersten Ausschreibung gab es einige Turbulenzen, nach der zweiten war die Firma ZWT mit dem BIOCOS-Verfahren ganz vorne.

Wir hatten im Vorfeld versucht, wirklich alles Mögliche zu unternehmen, dass der Bau gut funktioniert. Trotzdem hat´s geholpert, weil der Untergrund nicht so war, wie das die Gutachter vorausgesehen hatten.

Jetzt ist alles gut vollendet worden, verehrte Damen und Herren. Wir können ihnen eine Anlage präsentieren, die schon in den ersten Wochen ihres Betriebs ausgezeichnete Ergebnisse erzielt. Es handelt sich derzeit um die größte BIOCOS-Anlage Bayerns.

Und in Schierling haben wir die erste und einzige Kläranlage, auf der das BIOCOS-Vier-Phasen-System ausprobiert und angewendet wird. Damit sind wir auf diesem Gebiet wieder in der Zeit der Jesuiten angekommen! Wir nehmen für uns in Anspruch, dass wir auf der Höhe der Zeit sind und der Bürgerschaft höchste Qualität zu einem sehr günstigen Preis präsentieren können. Und was – ganz im Sinne der Jesuiten – vielleicht noch wichtiger ist: wir können der Schierlinger Bürgerschaft das Bewusstsein schenken, dass wir zukunftsweisendes Denken und Handeln beim Umweltschutz realisieren konnten. Wir haben – um ganz mit der Neuzeit zu sprechen – auf diesem Gebiet einen Vorsprung. Solcher Vorsprung ist ein Ziel der derzeit verantwortlichen Frauen und Männer.

 
Verehrte Damen und Herren,

ich danke allen, die sich für das Gelingen des großen Werkes engagiert haben. Und ich darf auch den Versuch einer Aufzählung machen:

Ich darf auch noch ganz besonders danken den Bürgerinnen und Bürgern aus Schierling und allen Gemeindeteilen, denn sie haben durch ihre finanziellen Beiträge den Bau im Wesentlichen ermöglicht. Ich darf ihnen bei dieser Gelegenheit versichern, dass wir nach wie vor bei den Beiträgen und bei den Abwassergebühren eher an der unteren Grenze im Vergleich zu anderen Gemeinden sind.

 
Verehrte Festgäste,

bei der Generalsanierung und dem teilweisen Neubau unserer Kläranlage handelt es sich um das größte Einzelprojekt während meiner Amtszeit als Bürgermeister.

Neben der Übernahme der Wasserversorgung,

war dies auch die wichtigste Maßnahme.

Ich freue mich über das gelungene Werk!

Meine Freude ist groß, weil wir im Marktgemeinderat nach bestem Wissen und Gewissen entschieden haben. Und meine Freude ist groß, weil wir unserer Bürgerschaft ein Bauwerk übergeben können, dass zukunftsweisend ist.

Unser Handeln war und ist immer in die Zukunft gerichtet.
Unser Denken und Reden hat die Bürger und die Schöpfung im Blick.

Weil das bei dieser Maßnahme sehr gut gelungen zu sein scheint, lasst uns jetzt darauf anstoßen.

Glück auf – und ihnen allen alles Gute!
Dem Markt Schierling und uns allen eine gute Zeit!

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