Der Markt Schierling plant im neuen Wohngebiet „Am Regensburger Weg 2“ erstmals Grundstücke für „Gartenhofhäuser“ – Im Herbst erneute Bürgerinformation

Auch in Schierling sind die Herausforderungen bei der Planung eines neuen Wohngebietes mehr als beachtlich. Den Landverbrauch so gering wie möglich zu halten, ist eine landesweite Grundforderung. Rund um das neue Haus so viel wie möglich Intimität genießen zu können, ist der nachvollziehbare Anspruch der Interessenten für einen Bauplatz. Der Marktgemeinderat Schierling hat mit der Ausweisung von 24 „Gartenhofhäusern“ im Entwurf des Bebauungsplanes „Am Regensburger Weg 2“ ein interessantes Konzept akzeptiert.

Am 8. Dezember 2020 hat der Marktgemeinderat die Leitlinien zur Entwicklung, Planung und Erschließung eines Wohngebietes in Schierling „Am Regensburger Weg 2“ beschlossen. Als Ziele wurden damals formuliert: „Mit der Planung, Entwicklung und Erschließung eines Wohngebietes in Schierling „Am Regensburger Weg 2“ wird die Fortentwicklung eines qualitativ und quantitativ angemessenen Angebotes an Wohnbaugrundstücken und Wohnungen zu einem günstigen Preis für alle Schichten der Bevölkerung möglich. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist der Verbrauch von bisher unbebauten, unversiegelten Flächen auf ein – der ländlichen Struktur angemessenes – Mindestmaß zu beschränken.“

Gartenhofhaus: Die Fakten

  • Ca. 365 Quadratmeter Grund
  • Intimes Wohnen mit durchdachtem Konzept
  • Mit eigenem Garten aber weniger Arbeit
  • Für Menschen, die ein eigenes Haus der Miete vorziehen oder sich für etwas Kleineres entscheiden als sie bisher haben
  • Ein Konzept für junge Familien und ältere Menschen gleichermaßen.


Günstiger bauen
Seit eineinhalb Jahren wütet der Krieg Putins gegen die Ukraine und aufgrund dessen hat sich die Welt verändert, und zwar auch konkret für die Schierlinger Wohngebietsplanung. Alles ist teurer geworden und die Kreditzinsen haben wieder eine beachtliche Höhe erreicht. Um den Preis für Baugrundstücke einigermaßen erträglich zu halten hat Architekt Bernhard Bartsch das Konzept „Gartenhofhaus“ ins Gespräch gebracht. Das ist ganz neu in Schierling und mit Ausnahme von Donaustauf auch eher selten in der Umgebung. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung, aber auch Alternative zum freistehenden Einfamilienhaus, zu klassischen Reihenhäusern oder Doppelhäusern. Zielgruppen sind in erster Linie jene Familien, ältere Paare oder Einzelpersonen, die ein Haus aber keinen großen Garten (mehr) haben möchten, gleichzeitig aber nicht in eine Eigentums- oder Mietwohnung ziehen wollen. Der besondere Wert dieses Konzeptes liegt auf einem eigenen Haus mit kleinerem Innenhof-Garten und entsprechender Intimität. In der Gemeinde Daxerau, wo es so etwas schon gibt, spricht man von „Reihenhaus mit Privatsphäre“.

„Reihenhaus mit Privatsphäre“
Die 24 geplanten Grundstücke sind durchwegs um die 365 Quadratmeter groß. Es gibt eine Zeile mit zwei zusammenhängenden Häusern, weitere zwei mit vier Häusern und noch einmal zwei mit fünf zusammenhängenden Häusern. Der Innenhof ist das typische Merkmal eines Gartenhofhauses. Er bietet trotz des kleinen Grundstücks und relativ dichter Bebauung einen privaten, geschützten Freiraum. Das Gartenhofhaus ist meistens ein Einfamilienhaus mit einem oder zwei Geschossen. Es bildet sich ein Übergangsbereich vom Haus zum Garten, der an drei Seiten baulich begrenzt wird und auf der Gartenseite einen nicht einsehbaren Außenbereich, also den „Gartenhof“, bildet. Dem Nachbarn ist es nicht gestattet, ein Fenster mit unmittelbarem Blick in den Gartenhof des anderen Nachbar zu setzen.

Freiheit bei Grundrissgestaltung
Trotz einer kollektiven Bebauungsform im Äußeren bleibt die Freiheit der Grundrissgestaltung im Inneren erhalten. Es gibt keine Bindung an eine bestimmte Bauweise, es kann als massives Gebäude oder in Holzbauweise mit oder ohne Keller errichtet werden. Dabei sind baubiologische und ökologische Vorstellungen der Bauherrn realisierbar. Inwieweit die Umsetzung durch einzelne Bauherren selbst, durch Bauherrngemeinschaften oder Investoren erfolgt, kann variieren. Wobei bei fünf zusammenhängenden Häusern schon eine besondere Rücksichtnahme des einzelnen gefordert ist.

Erneute Bürgerbeteiligung
Der Schierlinger Bebauungsplan „Am Regensburger Weg 2“ soll bis Ende des Jahres Bestandskraft erlangen. Zuvor ist für den Herbst noch einmal eine Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange geplant.

Interview:
Das viele Grün und die Ruhe

In Murnau, im Wohngebiet „Kemmelpark“, bestehen zwei verschiedene Gartenhofhaus-Zeilen. In der einen sind die Grundstücke nur durch einen Fußweg erschlossen und die Autos werden stirnseitig in Carports abgestellt. In der anderen ist in jedes Wohnhaus eine Garage integriert. Diese Lösung ist in Schierling angedacht. In der Murnauer Straße „Hurtenweg“ bewohnt Alex Köninger mit seiner Frau und den beiden Kindern seit 10 Jahren ein Gartenhofhaus. Fritz Wallner besichtigte das gesamte Wohngebiet und konnte an Ort und Stelle mit ihm sprechen.

Wallner: Herr Köninger, was schätzen sie besonders an ihrem Haus und Grundstück?

Köninger: Uns überzeugt tagtäglich das viele Grün und die Ruhe, die dieses Quartier sehr nahe am Zentrum von Murnau auszeichnet.

Wenn man Tür an Tür mit Nachbarn wohnt, wie geht das?

Es hat sich bei uns eine richtig familiäre Atmosphäre entwickelt, das ist richtig cool, weil wir uns alle seit 10 Jahren so gut verstehen und sogar befreundet sind.

Was sagen ihre Kinder dazu?

Für die Kinder ist die Planung des gesamten Gebietes geradezu ideal. Unsere Jungs spielen jeden Tag draußen mit vielen Freunden und an unterschiedlichen Stellen.

Wie groß ist ihr Haus?

Wir bewohnen auf zwei Ebenen etwa 165 Quadratmeter. Obwohl das Grundstück nur etwa 350 Quadratmeter groß ist, genießen wir unseren geschützten Garten, der den Kontakt mit den Nachbarn möglich macht und trotzdem zum Teil nicht einsehbar ist. Das sehen wir als einen großen Vorteil des Gartenhofhauses an. Wichtig ist für uns auch das kleine Nebengebäude, in dem man viel unterbringen kann.

Ihr Grundstück liegt in einem verkehrsberuhigten Bereich. Wie empfinden sie das?

Dass man in unserem Gebiet nur Schrittgeschwindigkeit fahren darf, ist völlig normal und haben alle akzeptiert. Denn die gegenseitige Rücksichtnahme, insbesondere auf Fußgänger und spielende Kinder, kommt allen zugute.

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Der aktuelle Entwurf des Schierlinger Bebauungsplanes „Am Regensburger Weg 2“ sieht 24 Grundstücke für „Gartenhofhäuser“ vor, die trotz ihrer Größe von rund 365 Quadratmetern und dichter Bebauung einen privaten, geschützten Freiraum bieten

 

In Murnau „Hurtenweg“ gibt es ein Quartier, in dem die Garagen dem Hauseingang zugeordnet sind, das Tor aber geschickt in die Fassade eingebunden wurde

 

Bei der zweiten Zeile in Murnau gibt es Carports nur an den Stirnseiten, während die Hauseingänge nur über einen breiteren Fußweg erreichbar sind

 

Der „Gartenhof“ vermittelt eine geschützte Idylle

 

Dem Nachbarn ist es nicht gestattet, ein Fenster mit unmittelbarem Blick in den Gartenhof des anderen Nachbar zu setzen

 

Das Schild „verkehrsberuhigter Bereich“ weist darauf hin, dass in dem Gebiet nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf

 

Text und Fotos: Fritz Wallner