Die Ergebnisse rechtsextremer Politik führte Fritz Wallner den Mitgliedern des Kolping-Familienkreises am Beispiel der Nationalsozialisten vor Augen. Das Volk war zuerst gegeneinander aufgehetzt und Neid geschürt worden, vor allem von Anfang an gegen die Juden.Das Volk ignorierte Hitlers Ankündigungen in seinem schon 1925 erschienen Buch „Mein Kampf“ und ließ sich durch einfache Parolen verführen. Diese führte dazu, dass die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NDSAP), die „Nazis“, ihren Stimmenanteil von 2,6 Prozent bei der Reichstagswahl 1928 auf 43,9 Prozent bei der Wahl im Januar 1933 hochschnellen lassen konnte.Bei der Versammlung im Pfarrheim erklärte Wallner, dass diesem Wahn nicht nur bis zu 60 Millionen Menschen aufgrund des Zweiten Weltkrieges zum Opfer gefallen seien. „Dieses rechtsextreme System machte vor niemandem halt, und so fielen ihm auch rund 300 000 eigene Landsleute zum Opfer, die als angeblich unwertes Leben im Laufe der Jahre entweder vergast wurden oder in Heimen verhungerten“, so Wallner.
 
Am 21. März 1933 jubelten in Schierling hunderte Menschen den Nazis als neuen Machthabern zu, die sich sehr bald als Verbrecher erwiesen, für nicht davor zurückschreckten, Millionen Menschen zu töten. Foto: Archiv Fritz Wallner
 
Das Schicksal der Theres Wallner
 
Im Mittelpunkt seines Vortrages bei Kolping stand das Schicksal der Schierlingerin Theres Wallner. Sie musste über die Jahrzehnte hinweg vieles der schrecklichen Grausamkeiten der Nazis erleiden, und zwar von der Internierung in einer Heil- und Pflegeanstalt, die alles andere tat als heilen und pflegen, bis hin zur Vergasung und der Vortäuschung einer erfundenen Todesursache. Wallner erinnerte daran, dass dies alles nur möglich geworden ist, weil die Demokratie versagte und die letzten demokratisch gewählten Volksvertreter im Jahre 1933 Hitler mit dem sogenannten „Ermächtigungsgesetz“ alle Vollmachten übertrugen.Wie sehr sich die Bevölkerung von damals blenden ließ, sei auch am Beispiel des Ortes Schierling abzulesen. Am 21. März 1933 sei fast das ganze Dorf auf den Beinen gewesen, um Hitler zu feiern. Der damalige Schulleiter sprach gar von einem Frühling, den man jetzt in der Politik erwarte, so war einige Tage später in der Allgemeinen Laberzeitung zu lesen. Unter den Jublern waren sämtliche Ortsvereine, darunter auch der katholische Gesellenverein, der Vorläufer der Kolpingfamilie.„Was herausgekommen ist, war alles andere als ein Frühling, sondern tiefster dunkler Winter mit Ereignissen und Ergebnissen, die nur in den Hirnen von Verbrechern entstehen konnten“, so Fritz Wallner. Es gelte, auch heute wieder wachsam zu sein und nicht primitiven Rattenfängern auf den Leim zu gehen. Auch heute gebe es nach seiner Ansicht Kräfte, die Hass und Neid säen, um Unfrieden im Volk zu stiften. Wallner hat über das Schicksal des Nazi-Opfers Theres Wallner die Schrift mit dem Titel „Tod nach Aktenlage“ verfasst. Er konnte diese im letzten November persönlich an Landtagspräsidentin Ilse Aigner übergeben. Denn wichtige Informationen über das Euthanasie-Programm der Nazis hatte sich Wallner einige Jahre vor bei einer Ausstellung im Bayerischen Landtag geholt.
 
Aigner betont Bedeutung der Wallner-Schrift
 
Nach dem Studium des Heftes schrieb die Landtagspräsidentin nach Schierling: „Gerade in diesen Zeiten, da die Feinde von Demokratie im In- und Ausland auf dem Vormarsch sind, wird es umso wichtiger, Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein in unserer Gesellschaft zu schärfen. Und das gelingt am besten, indem wir Geschichte und Verbrechen aus der Anonymität holen. Mit dem Beispiel der Ermordung der Cousine ihres Vaters lenken sie die Aufmerksamkeit auf das einzelne Schicksal, das stellvertretend steht für eine mörderische Ideologie, die Abermillionen Opfer forderte. Das Thema Euthanasie zählt zu den schrecklichsten und perfidesten Kapiteln dieser dunkelsten Zeit unseres Landes.“Fritz Wallner bat die Mitglieder des Kolping-Familienkreises darum, bei ihren Kindern und Enkelkindern für die Demokratie zu werben und ihnen Wachsamkeit mit auf den Lebensweg zu geben, damit so etwas nie mehr geschehen kann. Er schloss mit der Bitte von Pfarrer Franz Xaver Laubmeier bei seiner Predigt am 27. April 1946 zur Bekräftigung des Gelübdes zur Errettung aus Kriegsnot. Laubmeier sagte damals: „O Herr, bewahre unser Volk und unsere Heimat, dass Gottlosigkeit und Gottvergessenheit uns nicht wieder in ein solches Unglück stürze, in welches das ganze deutsche Volk in diesen Jahren gestürzt ist!“