10 Jahre B15n

Die Schlüssel­entscheidung für den Markt Schierling

Mit der Öffnung der B 15neu am 26. Juli 2011 rückte der Markt Schierling an das europäische Fernstraßennetz – seitdem 1000 Einwohner und gut 1000 Arbeitsplätze mehr – der Schlüssel war die Entscheidung für zwei Schierlinger Anschlussstellen

1973

Planungsbeginn

1973

09.07.1996

Zusage für zweite Anschlussstelle Schierling Nord und Süd

06.2004

Beginn der Bauarbeiten

06.2004

26.07.2011

Einweihung Teilstück Saalhaupt bis Schierling-Süd

26.07.2021

Jubiläum 10 Jahre B15neu

26.07.2021

Plötzlich war Schierling mit der Öffnung der B15neu vor zehn Jahren dem verkehrlichen Niemandsland entkommen und an eine wichtige europäische Entwicklungsachse angebunden. Dass sich dadurch Vieles verändern würde, das war den Verantwortlichen Schierlings schon klar gewesen. Welche Dynamik allerdings eintrat, damit hatte dann doch kaum jemand gerechnet. Nach fast 40 Jahren der Planung, Bürgerbeteiligung, Einsprüchen und Gerichtsprozessen sowie Konflikten auch innerhalb der Bevölkerung, war bei den allermeisten Bürgern die Freude ebenso groß wie die Erleichterung.

Das Geheimnis des Erfolgs der B15neu für Schierling verbirgt sich schlussendlich hinter der Tatsache, dass Schierling zwei Anschlussstellen – eine im Norden und eine im Süden – „erkämpfte“. Denn erst dadurch konnte neben der besseren überörtlichen Verkehrsanbindung auch eine Entlastung der Ortsdurchfahrt erreicht werden. Ursprünglich wollte das Bundesverkehrsministerium nur eine Anschlussstelle genehmigen und Schierling hätte diese selbst auswählen können.

Doch Schierling gab nicht nach und wurde dabei von den Planern dieser „Autobahn“ unterstützt. "Zwei oder keine" hießen die Alternativen, die der damalige Bürgermeister Otto Gascher im Bonner Bundesverkehrsministerium unmissverständlich platzierte. Das hieß im Klartext, dass entweder der Ort Schierling eine Entlastung erhält oder der Verkehr einfach an Schierling vorbeifließt. Denn eine einzige Anschlussstelle hätte bedeutet, dass noch viel mehr Verkehr durch den Ort gelaufen wäre.

Der Bundestagsabgeordnete Benno Zierer, der mit seinen Abgeordnetenkollegen Maria Eichhorn, Ernst Hinsken, Erika Simm, Adolf Beck und Xaver Wolf das Vorhaben unterstützte, hatte Gaschers Hartnäckigkeit schon geahnt. Denn nach einer erneuten Ablehnung durch das Ministerium schrieb er am 15. März 1995 an den Bürgermeister: „Da die zweite Anschlußstelle von strukturpolitischer Bedeutung ist, wirst du dich sicher - wie ich dich kenne – nicht mir der Antwort zufrieden geben.“

Eine wichtige Grundlage hatten Otto Gascher und die Schierlinger Kreisräte bereits im Jahre 1989 geschaffen. Landrat Rupert Schmid und der Kreistag konnten damals davon überzeugt werden, dass der Landkreis die für die zweite Anschlussstelle notwendige „Südumgehung“ plant, baut und mit hohen staatlichen Zuschüssen auch finanziert. Auf Anregung von Erich Koch wurde damals die Bedingung aufgenommen, dass der Freistaat Bayern fortan auf den Bau einer irgendwie gearteten Nordumgehung verzichtet.

Im Schierlinger Rathaus wurde fortan akribisch alles zusammengetragen, was für zwei Schierlinger Anschlussstellen an der B15neu sprach. Die Behörden des Freistaates Bayern hatten sich immer skeptisch geäußert, ob zwei Anschlussstellen notwendig sind. Das änderte sich nach einem persönlichen Gespräch mit dem damaligen bayerischen Verkehr-Staatssekretär Alfred Sauter am 5. April 1995. Auch er sagte jetzt die Unterstützung Bayerns zu.

Schließlich wurden Bürgermeister Gascher und Geschäftsleiter Fritz Wallner am Mittwoch, den 8. November 1995 von Staatssekretär Hans Jochen Henke im Bundesverkehrsministerium in Bonn persönlich empfangen. Die damals schon über 20 Jahre alte Geschichte der Straße wurde dargestellt, an gemachte Zusagen erinnert und auch Ärger abgelassen. „Niemand hat Verständnis dafür, dass die Auenlandschaft der Großen Laber Schaden nehmen soll, damit die Urlauber an uns vorbei rauschen sollen!“, sagte Gascher, noch dazu, wo ein großer Teil der Bevölkerung die neue Straße eher kritisch sehe. Schließlich würde den Markt „der Teufel holen“, sollte es zu einer einzigen Anschlussstelle kommen. Und schließlich brauchte auch die Bundeswehr die zweite Anschlussstelle für ihr Depot, hatte Gascher ausgeführt. Weshalb auch ein Straßenstück in Richtung Muna gebaut werden sollte, dessen teilweise Kostenübernahme der Markt zusagte.

Der Staatssekretär zeigte beim Gespräch schon viel Verständnis und ließ die Schierlinger hoffen. Der entscheidende Brief mit der schriftlichen Zusage für zwei Anschlussstellen stammt vom 9. Juli 1996. In Schierling wurde nicht ohne Grund ein wenig gefeiert. Denn die Hartnäckigkeit hatte sich gelohnt und es gab nur Vorteile, auch für Nachbargemeinden, die damit bequem die neue Bundesfernstraße erreichen konnten.

Doch damit war noch lange nicht gebaut. Mit dem Bauplan befasste sich aufgrund von Klagen auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof. Mit Urteil vom 14. Juni 1996 bestätigte er vollziehbares Baurecht von Saalhaupt bis Neufahrn. Das aber bremste das auch von Schierlinger Bürgern angerufene Bundesverwaltungsgericht in Berlin mit Urteil vom 10. April 1997 erst einmal aus. Aufzuhalten war die Straße allerdings nicht mehr, so dass im Juni 2004 als erste Arbeit die „Vorschüttung im Laabertal bei Schierling“ öffentlich ausgeschrieben wurde. Sieben Jahre später konnte die – ursprünglich als Autobahn geplante – B15neu eröffnet werden. Sie wurde nach den Standards von Bundesautobahnen ausgebaut und von Anfang an von den Schierlingern fast begeistert angenommen.

Weitsicht, Entscheidungsfreude und Hartnäckigkeit sowie der Zusammenhalt im Marktgemeinderat waren die entscheidenden Faktoren für das Erreichen der gesteckten Ziele. Perspektivisch begleitet wurde dieses Thema schon beim Stadtmarketing-Prozess 1999/2000. Darauf aufbauend wurde dann unter Bürgermeister Christian Kiendl die Idee geboren, an der neuen Anschlussstelle Schierling-Süd einmal ein Gewerbegebiet zu platzieren. Weit weg vom Ort, aufgrund der B 15neu und der Südumgebung ohne zusätzliche Verkehrsbelastung des Ortes, sollte die Zukunft geplant werden. Das geeignete Instrument dafür war das neu gegründete Kommunalunternehmen, das schon sehr bald damit begann, wichtige Grundstücke aufzukaufen.

Mit dem Einweihungstag für das Teilstück Saalhaupt bis Schierling-Süd, dem 26. Juli 2011, änderte sich schlagartig alles. Während die restlichen Bauplätze im Gebiet „Markstein“ über Jahre hinweg nur zögerlich Abnehmer fanden, waren sie plötzlich heiß begehrt. Noch rasanter ging es bei den Grundstücken im Unterdeggenbacher Gebiet „Am Hochweg“. Niemand wollte dort einen Bauplatz kaufen. Verschiedene verkaufsfördernde Aktionen waren unternommen worden, doch die Interessenten fehlten. Das hielt an, bis die B 15neu offen war. Ehe sich die einheimische Bevölkerung versann, waren fast alle Grundstücke verkauft.

Der Markt Schierling wurde durch Zuzüge in seiner Vielfalt bereichert, die Nachfrage nach Bauland stieg weiter, neue Kinderbetreuungseinrichtungen wurden gebaut und auch Infrastruktur für die ältere Bevölkerung geschaffen. Neue Gewerbebetriebe siedelten sich an, bestehende wurden erweitert und modernisiert. Mit all dem wurde die Grundlage dafür gelegt, dass sich Fachärzte der unterschiedlichsten Richtung für Schierling interessierten und schließlich mit dem MVZ – nicht nur – die hausärztliche Versorgung gesichert wurde und die neue Marktbücherei zu einer wesentlichen Bereicherung der Kultur wurde.

Es hatte ein neues Zeitalter begonnen, das die zentralen Funktionen Schierlings in ein neues Licht rückte und das anziehend wurde für Menschen aus allen Richtungen. Bürgermeister Christian Kiendl fasste die Perspektiven für Schierling in seinem Grußwort vor zehn Jahren so zusammen: „Was das alles für unsere Kinder und Kindeskinder heißt, das lässt sich heute nur erahnen. Jedenfalls hoffen wir, dass damit ein wichtiger Beitrag für die Sicherung einer guten Zukunft geleistet wurde.“

1973 war Planungs-Start

Im Münchner Merkur vom 25. August 1973 ist zu lesen: „Völlig neu ist der Gedanke, eine Nord-Süd-Verbindung von Nürnberg über Regensburg in Richtung Rosenheim mit Anschluß an die Inntalautobahn zu planen.“ Diese Gedanken brachte der damalige bayerische Innenminister Bruno Merk ein. Schon drei Jahre später konnte die Regierung von Niederbayern als federführende Dienststelle das Raumordnungsverfahren für „die Autobahn Regensburg-Landshut“ abschließen. 

Bericht und Bilder: Fritz Wallner

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km von Saalhaupt bis Schierling Süd
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Millionen € Kosten für den Bau
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Einwohner mehr seit Eröffnung
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Arbeitsplätze mehr seit Eröffnung