Wer heute über die Brücke der Großen Laber im Ortskern von Schierling geht, wird noch immer vom heiligen Johannes Nepomuk begleitet. Die Bronzefigur aus dem Jahr 1983 steht dort als stiller Wächter über dem Fluss. Kurz vor Weihnachten wurde nun bekannt, dass auch das historische Original dieses Brückenheiligen wieder aufgetaucht ist – eine Figur, deren Geschichte eng mit Schierling verbunden ist und die offenbar all die Jahre ganz in der Nähe geblieben war.
Die heutige Nepomuk-Figur (Bild) auf der Laberbrücke entstand, nachdem die ursprüngliche Statue im Zuge des Brückenneubaus im Jahr 1969 plötzlich verschwunden war. Was mit ihr geschehen war, blieb lange ein Rätsel. Die Brücke selbst trug ihren Namen weiter, doch ihr alter Patron schien verloren.

Dabei reicht die Geschichte des Johannes Nepomuk in Schierling weit zurück. Historische Forschungen des Chronisten Johann Straßer zeigen, dass die Laber im Ortskern einst in zwei Arme geteilt war. Über jeden führte eine Brücke – und auf beiden stand eine Figur des heiligen Johannes Nepomuk. Ein Rechnungsbeleg aus dem Jahr 1787, der von der „Renovierung der Statuen“ spricht, sowie ein Ortsplan aus der Zeit um 1834 lassen diese doppelte Präsenz bis heute nachzeichnen.

Beim Neubau der Brücke im Jahr 1969 nahm die Geschichte dann eine unerwartete Wendung. Die alte Figur wurde beschädigt, verlor ihren Kopf und geriet schließlich in einen Schutthaufen. Ein Besitzer zog sie daraus hervor und nahm sie mit – wohl im Glauben, ein wertloses Relikt vor sich zu haben. Jahrzehntelang stand die kopflose Statue anschließend unbeachtet in einem Keller und geriet in Vergessenheit.
Erst viele Jahre später kam Bewegung in die Geschichte. Der Handwerker Peter Fischl stieß bei Arbeiten auf die ungewöhnliche Figur und ließ sich ihre Herkunft erzählen. Schließlich wurde ihm die Statue überlassen. Nach etlichen Jahren in seinem Keller gab er die Figur dem Kirchenmaler Hans Ludsteck. Ein Bildhauer Kollege von Hans baute einen neuen Kopf auf die Figur. Damit war sie wieder vollständig. Peter Fischl gab die Figur Ludwig Völkl, der schnell erkannte, dass es sich um die alte Nepomukfigur handelt.

Gemeinsam mit Ortsheimatpfleger Georg Schindlbeck, Kirchenmaler Hans Ludsteck (der einen passenden Sockel fertigte) und Ludwig Völkl wurde die historische Nepomuk-Figur schließlich kurz vor Weihnachten der Marktgemeinde übergeben.

Heute hat das Original seinen Platz im Alten Schulhaus gefunden. Dort erzählt es nun leise von Brücken und Flüssen, von Vergessen und Wiederentdecken – während draußen auf der Laberbrücke die Nepomuk-Figur von 1983 weiterhin über den Fluss und den Ort wacht.
Bild (v. l.): Ludwig Völkl, Hans Ludsteck und Georg Schindlbeck bei der Übergabe der Nepomuk-Figur.
